Während des Bürgerkriegs in El Salvador (1980–1992) verschwanden tausende Kinder spurlos – bis heute leben viele Familien in Ungewissheit in Bezug auf ihr Schicksal. Die Organisation Pro-Búsqueda unterstützt Betroffene bei der Suche nach ihren verschwundenen Angehörigen und begleitet sie juristisch und psychosozial. Ein Kleinbus soll künftig die landesweite Arbeit erleichtern.
El Salvador zählt zu den kleineren Staaten Mittelamerikas und leidet weiterhin unter den Nachwirkungen des zwölfjährigen Bürgerkriegs, der über 75’000 Menschen das Leben kostete. Besonders betroffen war die ländliche Zivilbevölkerung, unter anderem durch willkürliche Verhaftungen und systematische Kinderverschleppungen. Bis zu 2’500 Mädchen und Jungen wurden ihren Familien entrissen – viele gelten bis heute als vermisst. Die Aufarbeitung dieser Verbrechen gestaltet sich schwierig, da gesetzliche Grundlagen fehlen und politische Widerstände bestehen.
Die salvadorianische Organisation Asociación Pro-Búsqueda de Niñas y Niños Desaparecidos setzt sich dafür ein, das Schicksal der während des bewaffneten Konflikts verschwundenen Kinder zu klären. Ihr ganzheitlicher Ansatz vereint forensische Recherche, juristische Begleitung und psychosoziale Unterstützung. Die Organisation ist in allen Landesteilen aktiv, auch in abgelegenen Regionen. Das Team umfasst rund 20 Fachpersonen aus Psychologie, Genetik, Recht und Sozialarbeit. Die Begleitung reicht von der Fallaufarbeitung über DNA-Analysen bis zur familiären Wiedervereinigung.
2023 konnten über 700 Personen an kollektiven Unterstützungsangeboten teilnehmen, 5 familiäre Wiedervereinigungen wurden ermöglicht und mehrere Verfahren vor nationalen und internationalen Gremien weitergeführt. Mit der Arbeit trägt Pro-Búsqueda dazu bei, Wahrheit, Gerechtigkeit und das gesellschaftliche Erinnern zu fördern.
Für die aufsuchende Arbeit ist die Organisation auf funktionstüchtige Fahrzeuge angewiesen. Derzeit sind vier mobile Teams im Einsatz. Von zwei vorhandenen Pick-ups ist einer nicht mehr zuverlässig und verursacht hohe Unterhaltskosten. Um weiterhin alle Regionen des Landes erreichen und insbesondere auch ganze Familien sicher befördern zu können – etwa zu Gedenkveranstaltungen, Gerichtsanhörungen oder medizinischen Terminen – soll ein Kleinbus angeschafft werden.
Mit ihrer langjährigen Erfahrung, ihrer Fachkompetenz und der tiefen Verwurzelung in den betroffenen Gemeinschaften leistet die NGO einen unverzichtbaren Beitrag zur Aufarbeitung der Kriegsfolgen. Zugleich übernimmt sie eine wichtige Rolle als zivilgesellschaftlicher Watchdog in der aktuellen Menschenrechtslage.
Bus
Asociación Pro Búsqueda de Niñas y Niños Desaparecidos
www.asociacionprobusqueda.org
Über 70 Personen wurden individuell psychosozial begleitet, rund 700 nahmen an kollektiven Unterstützungsangeboten teil. Zudem wurden 5 familiäre Wiedervereinigungen realisiert
Das Schicksal verschwundener Kinder wird geklärt, familiäre Wiedervereinigungen werden gefördert und die Rechte der betroffenen Familien gestärkt. Langfristig leistet Pro-Búsqueda einen Beitrag zur Aufarbeitung schwerer Menschenrechtsverbrechen.
SV-25-0012
Projektverantwortung: Peter Ganther
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