Sexualisierte Gewalt ist in Guatemala weit verbreitet. Besonders betroffen sind indigene Frauen in abgelegenen Regionen wie Huehuetenango, wo die Armee und Autodefensas im Krieg die Zivilbevölkerung massakrierten. Ein feministisches Kollektiv unterstützt überlebende Frauen mit einem ganzheitlichen Ansatz der Heilung, Bildung und Selbstermächtigung. Lokale Frauennetzwerke werden gestärkt und öffentliche Aktionen brechen das gesellschaftliche Schweigen.
In ländlichen Regionen Guatemalas lebt ein Grossteil der Bevölkerung in Armut. Besonders die indigene Mehrheit ist von systematischer Ausgrenzung betroffen. Jahrzehntelanger Bürgerkrieg, mangelnder Zugang zu Justiz, Bildung und Gesundheitsversorgung sowie eine restriktive Gesetzgebung bei sexuellen Rechten verschärfen die Situation zusätzlich. Sexualisierte Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist weit verbreitet. Die meisten Übergriffe bleiben folgenlos, weil Opfer aus Angst und Scham schweigen und staatliche Unterstützung kaum verfügbar ist.
Die feministische Organisation Colectiva Actoras de Cambio arbeitet seit 2008 mit indigenen Maya-Frauen in Huehuetenango, die sexualisierte Gewalt erfahren haben. Ihr Ansatz basiert auf den drei Komponenten Bildung, Heilung und Mobilisierung. In geschützten Räumen begleiten Therapeutinnen die Frauen in kollektiven Heilungsprozessen, vermitteln Wissen über Rechte und fördern die Selbstorganisation. Dabei kommen auch Elemente der Maya-Kosmovision wie Rituale, Tanz und Energiearbeit zum Einsatz. Mit öffentlichen Aktionen machen die Frauen ihre Anliegen sichtbar und wehren sich gegen gesellschaftliche Tabus.
Das Projekt umfasst Heilungs- und Bildungsworkshops, die Stärkung lokaler Frauennetzwerke, Aufklärungsarbeit mit Jugendlichen, politische Sichtbarmachung und die Ausbildung von Multiplikatorinnen. Für die Realisierung dieser Aktivitäten ist ein Geländefahrzeug unerlässlich. Sie finden in schwer zugänglichen Gemeinden statt, die teils bis zu fünf Stunden entfernt liegen. Das Fahrzeug ermöglicht sichere und regelmässige Fahrten – auch in der Regenzeit – sowie den Transport von Materialien wie Musikinstrumenten, Theaterausrüstung oder Heilmitteln. So lassen sich Fahrten in unzuverlässigen, oftmals gefährlichen und unregelmässig verkehrenden Transportmitteln wie Mikrobussen, Taxis oder privaten Pick-ups vermeiden.
Actoras de Cambio begleiten indigene Frauen auf ihrem Weg der Heilung und Selbstermächtigung. In den abgelegenen Gemeinden Huehuetenangos ist diese Arbeit ohne ein geländegängiges Fahrzeug kaum durchführbar. Mobilität bedeutet hier: Zugang zu Sicherheit, Sichtbarkeit und Selbstermächtigung.
Colectiva Actoras de Cambio
www.actorasdecambio.org.gt
Direkt profitieren über 200 indigene Frauen und Mädchen durch Heilungsprozesse, Schulungen und öffentliches Engagement; indirekt werden mehrere Hundert Gemeindemitglieder durch Sensibilisierungsaktionen erreicht.
Mit ihrer Arbeit stärkt das Kollektiv die seelische und soziale Widerstandskraft indigener Frauen, fördert ihre Selbstbestimmung und trägt zur Reduktion von sexualisierter Gewalt und gesellschaftlichem Schweigen bei.
GT-25-0031
Projektverantwortung:
Peter Ganther
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